Smart and the City – „Ja zu Duisburg, kein DOC“ – 9 Jahre später
Im Gespräch mit Mario Mais, Befürworter des geplanten Duisburger Design-Outlet-Centers in 2017.
Auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände nahe dem Duisburger Hauptbahnhof war ein großes Designer Outlet Center (DOC) geplant. Der Rat der Stadt Duisburg fasste am 1. Februar 2017 einen Grundsatzbeschluss zur Realisierung des Projekts und begründete dies mit erhoffter Kaufkraftbindung und neuen Arbeitsplätzen. Kritiker befürchteten negative Folgen für den Einzelhandel in der Innenstadt und benachbarten Zentren sowie mehr Leerstände und Wertverluste bei Immobilien.

Bürgerinitiative und Bürgerentscheid
Gegen das Projekt formierte sich die Bürgerinitiative „Ja zu Duisburg – kein DOC“. Ziel war es, den Ratsbeschluss zu stoppen und eine alternative Stadtentwicklung zu ermöglichen. Die Initiative sammelte Unterschriften, reichte rund 22.500 Unterstützungsunterschriften ein und erreichte damit deutlich mehr als die erforderliche Zahl. Der Bürgerentscheid fand am 24. September 2017 zeitgleich mit Bundestagswahl und Oberbürgermeisterwahl statt. 51,1 Prozent stimmten mit Ja, also gegen das DOC; die Planung wurde damit gestoppt.
Bewertung des Projekts
Im Gespräch ereifern sich Mais und Oberpichler darüber inwiefern das DOC als möglicher Magnet für Besucherinnen und Besucher aus dem Umland hätte dienen können. Oberpichler betont, dass ein Outlet-Center aus heutiger Sicht keine moderne Stadtplanung sei. Mais präsentiert die Auffassung, dass ein solches Projekt Menschen nach Duisburg hätte holen können, die sonst nicht in die Stadt gekommen wären.
Innenstadt und Stadtentwicklung
Ein zentrales Thema ist der aktuelle Zustand der Duisburger Innenstadt. Es wird beklagt, dass trotz verschiedener Maßnahmen, Umbauten und neuer Stellen im Stadtmarketing wenig spürbare Entwicklung zu sehen sei. Genannt werden unter anderem Leerstände, die veränderte Lage einzelner Einkaufsschwerpunkte und fehlende Impulse für eine nachhaltige Belebung.
Verpasste Chancen und fehlende Visionen
Im Gespräch wird zudem eine Option für das Gelände erwähnt: ein Wohnquartier, das von externen Investoren angedacht gewesen sei, aber nicht zustande kam, weil der mögliche Investor durch unprofessionelles Verhalten seitens Verantwortlicher der Liegenschaft abgeschreckt wurde.
Insgesamt wird kritisiert, dass Duisburg zwar über Strukturen wie DBI und City Management verfüge, aber zu wenig konkrete, sichtbare Entwicklungen erzeuge. Als Gegenbeispiel nennt Mais einen früheren Oberbürgermeister, dem er Projekte wie dem Forum, das Citypalais und die Stadtbücherei zuschreibt.
Was fehlt sei eine klarere Vision für die Innenstadt.
Weitere Informationen
www.jazuduisburg.de/
www.smartcity-podcast.de
www.ruhrpodcast.de
www.durian-pr.de
Chapters
0:13 DOC und Innenstadtdebatte
4:00 Bürgerentscheid und Folgen
7:24 Neue Pläne fürs Gelände
12:13 Wohnquartier statt Outlet
14:33 Kaufkraft und Stadtimage
19:13 Verpasste Chancen
25:15 Visionen für Duisburg
28:48 Magnet für die Innenstadt
31:44 Leere trotz Events
35:45 Neue Ideen gefragt
37:45 Einigung ohne Lösung
Foto: Durian GmbH. Mario Mais und Frank Zepp Oberpichler im Podcaststudio der Durian GmbH.
